Wir sind gleich an unserem letzten Arbeitstag (19.12.) abends in den Flieger gestiegen, um keine Stunde Urlaubszeit zu verschenken. Nachts kamen wir in Christchurch an. Es regnete leicht. Am naechsten Tag erkundeten wir Christchurch – im Regen! So langsam fragten wir uns, was wir hier eigentlich machen, wo wir bei 30 Grad an einem der Straende in Sydney sein koennten. Aber wir verscheuchten diese destruktiven Gedanken und erinnerten uns daran, dass wir Neuseelands einzigartige Natur erleben wollten und keinen Badestrandurlaub geplant hatten. Nachdem wir uns die Kunstgalerie angeschaut hatten – wirklich sehenswert!, stromerten wir durch die Outdoorlaeden, um nach geeigneten Regenjacken ausschau zu halten. Nach einiger Zeit fanden wir das aber zu deprimierend. Ausserdem brauchen wir ja keine Regenjacken fuer Australien!
Am naechsten Tag haben wir unseren Feuerroten Toyota Camry abgeholt, der sich spaeter noch als wares Kurvenwunder heraustellen sollte – zumindest wenn Sven fuhr.
Auch Stauraum bot der Kofferraum mehr als genug. Auf Linksverkehr waren wir ja schon eingestellt, also sind wir direkt nach Kaikoura an die noerdliche Ostkuste gefahren. Wir hatten eine Maori-Tour gebucht und wollten mittags dort sein.
Wir wurden um 1 bei der Touri-Info von Maurice und Karen (klingt gar nicht so maorisch) abgeholt. Maurice stellte sich als echter Entertainer heraus. Es machte Spass seinen haeufig selbstironischen Andeutungen und Ausfuehrungen zu lauschen. So machte es uns auch fast gar nichts aus, dass es mal wieder regnete. Wir wurden zu einem historischen Ort gefuehrt an dem frueher Maoris (Vorfahren von Maurice) gelebt haben. Dort bekamen wir maorische Namen und wurden in die maorische Begruessungsweise eingeweiht. Die ist recht intim, da man die Nasen aneinander drueckt zweimal, wenn man sich noch fremd ist und einmal, wenn man sich kennt. Mit viel Gekicher uebten wir in der Gruppe den maorischen Nasengruss. Insgeheim ueberlegte ich, ob die Maoris wohl mit den Eskimos verwandt sind, da die sich doch auch mit den Nasen begruessen. Die Maoris sind ja bekanntermassen weit herumgekommen in ihren Kanus….. Das ist wohl auch einer der Gruende, warum Maoris sehr anpassungsfaehig sind. Wichtig fuer Maoris in ihrer Begruessung ist auch die Verehrung des Berges und Flusses in der heimatlichen Umgebung sowie das Kanu. Daher sollten wir bei der Vorstellung unseren Berg und Fluss ehren. Da fiel mir spontan der Leseberg in Blankenese ein und natuelich die Elbe. Und die Alsterdampfer – fand ich – ergaben doch recht passable Kanus.
Wir wurden zu mehreren bedeutenden Plaetzen gefahren und erfuhren viel ueber die maorische Kultur und Geschichte. Das war hoch interessant und spannend erzaehlt.
Die Maoris haben fuer alle moeglichen Ereignisse Geschichten parat, die sie als Erklaerung auch fuer Naturphaenomene akzeptieren. Da sind sie wirklich kreativ! Zum Schluss sind wir sogar noch zu Maurice nach Hause eingeladen worden zu Tee und Snacks. Dort haben wir dann auch den maorischen Song seiner Frau gegenueber zum Besten gegeben, den wir im Laufe der Tour gelernt haben. Das war eine wirklich tolle Tour, die wir jedem nur empfehlen koennen, den es mal in diese Gegend verschlaegt.
Zum Abschluss des Tages haben wir uns noch die Seebaerenkolonie angeschaut. Die meisten Tiere pennten und liessen sich durch unsere Anwesenheit gar nicht stoeren. Das war schoen Tiere in der Freiheit beobachten zu koennen und dabei nur ca 10 Meter entfernt zu sein. Das ist der empfohlene Abstand, den man einhalten sollte. Einige Touristen hatten freilich merkwuerdige Vorstellungen von 10 Metern!
Am naechsten Morgen stand eine Waltour auf dem Plan worauf ich mich schon rieseig freute. Wir hatten Gluck, dass sie stattfand, da die Touren am Vortag wetterbedingt abgesagt waren. Wir wurden auch darueber informiert, dass wir mit ordentlichem Wellengang rechnen muessten. Die haben nicht uebertrieben. Nach ca 30 Minuten war die Haelfte der Gaeste Seekrank. Sven ging es auch nicht so toll – kein Wunder bei dem Geruch. Waehrend der Fahrt mussten wir leider drinnen sitzen. Bis auf den Geruch fand ich den Wellengang toll. Ausserdem war ich viel zu aufgeregt und auf Walsichtungen gespannt, um mir um meinen Magen Gedannken zu machen. Wir sahen mehrere Pottwale ( das sind die Moby Dicks) an der Oberflaeche. Netterweise bleiben sie ein paar Minuten an der Oberflaeche, was eine gute Gelegenheit zum Beobachten bietet. Delphine haben wir auch beobachten koennen. Ich war im Paradies!
Gleich nach der Waltour mussten wir losfahren zu unserer naechsten Station Kenepuru Sound. Ich hatte Fahrdienst und wollte mich schon vor der kurvenreichen Fahrt druecken, fand aber dann doch Spass daran – mehr als Sven lieb war. Jaja, wenn der Mann mal nicht das Steuer in der Hand hat…..
Die groesste Herausforderung war eine sehr steile und unbefestigte Auffahrt zu unserem B&B. Oben auf der Terrasse angekommen erwartete uns ein traumhafter Ausblick auf eine bergige Landschaft, die in gruenes Wasser faellt. Erika und Eugen die deutschen Besitzer erwarteten uns schon. Vor dem Abendessen sind wir noch runter zum Wasser gewandert und ich bin ins Wasser gesprungen das ueberraschend warm war. Wir hatten Abendessen mitgebucht und sassen mit zwei anderen deutschen Gaesten (Brigitte und Richard) und Erika und Eugen zusammen. Das war schoen, da Eugen und Erika spannende Geschichten ueber ihr Leben in Neusseland erzaehlten. Von unserem B&B aus konnten wir ueber einen sehr steilen “Pfad” den beruehmten Queen Charlotte Trail erreichen. Den sind wir dann ein Stueck entlang gewandert. Er bot phantastische Ausblicke auf zwei Sounds und ging bergauf und bergab. Abends haben wir dann noch eine gute Kajaktour gemacht. Danach hat das Abendessen gut geschmeckt und wir waren bettreif.
Heiligabend haben wir in Kaiteriteri verbracht. Das liegt am suedlichen Ende vom Abel Tasman Park. Hier waren wir in einem Bungalow untergebracht, der fast so gross war wie unsere Wohnung in Sydney. Aber der Komplex war uns zu gross und Hotelgleich. Der “Weihnachtsbraten” bestand aus einem ehrlichen Stueck Scotchfillet (Rind) in einem lokalen Pub. Da gab es vielleicht den einen oder anderen Sehnsuchtsseufzer in Richtung Heimat mit Nieselregen und 4 Grad, aber viel Kerzenschein und deutscher Gemuetlichkeit.
Weihnachten wird ja in Neuseeland und auch Australien erst am 25. Dezember gefeiert. Wir hatten beim einzigen Tourenanbieter des Tages zwei Karten ergattert, um mit dem Schiff an eine Stelle des Parks zu gelangen, einen Walk zu einer anderen Anlegestelle zu machen und dann mit dem Schiff wieder abgeholt zu werden. Die Tour war sehr schoen und gern haetten wir hier noch mehr Teilstuecke erkundet. Am Abend “mussten” wir im Hotel essen, da alle lokalen Resataurants geschlossen hatten. Da gab es dann ein vegetarisches Buffet. Das war mal etwas anderes, aber auch nicht wirklich toll.
Die naechste Etappe fuehrte uns zu den Gletschern. Mein persoehnliches Highlight war ein Hubschrauberflug ueber
die Gletschergipfel mit Landung auf einem der Gletscher. Das Wetter war leider nicht so toll, was den Hubschrauberflug allerdings noch spektakulaerer machte. Das B&B Holly Homestead hat uns hier besonders gut gefallen.
In Wanaka uebernachteten wir in einem Haus, das aus Stroh und Lehm gebaut war und eine besondere Waerme und Geborgenheit ausstrahlte. Hier haben wir eine ganz tolle und ziemlich anstrengende Wanderung zu einem Gletscher (Roy Rob) gemacht. Es war sehr heiss und wir waren froh, dass der Grossteil der Strecke durch Waldgebiet fuehrte. Wir waren ein bisschen unter Zeitdruck, da Sven fuer den Nachmittag einen Flieger gechartert hatte. Klingt fast ein bisschen dekadent, oder?
Der Flug war herrlich. Sven flog mich und einen ortskundigen Fluglehrer ueber den Gletscher, den wir zuvor vom Wanderweg bewundert hatten und die herrlichen Seenlandschaften. Das war eindeutig einer der schoensten Tage unserer Tour. Aber davon gab es eben mehrere.
Danach fuehren wir zur Westkueste und damit zu den Sandfliegen, die vor allem Sven zu Hunderten ueberfielen. Glueck fuer mich.
Wir hatten ueber den Jahreswechsel eine Uebernachtungstour auf dem Doubtfulsound gebucht. Das Wetter war gelinde gesagt beschissen. Es hat nur geregnet, 24 Stunden lang. Und wir haben leider keine Delphine gesehen. Aber ich wuerde es jederzeit wieder machen. Auch im Regen konnten wir die Schoenheit der Landschaften erahnen und die Reise selbst war ganz toll organisiert. Phantastisches Essen, kundige Mitarbeiter, gutes Unterhaltungsprogramm und wir hatten eine schnuckelige Kabine ganz fuer uns. Das war so romantisch, dass wir usn schon um 23:00 ins Bett geschlichen haben.
Eines der schoensten Ecken erlebten wir am Ende unserer Tour. In der Naehe von Dunedin gibt es eine Art Halbinsel die Otago Peninsula. Dort wohnten wir in einem tollen Haus, wo wir uns gleich wohl fuehlten. Schon die Strasse, die sich entlang des Wassers schlaengelte war spektakulaer. Hier entdeckten wir traumhafte und einsame Straende hatten tolle Begegnungen mit Seebaeren, Gelbaugenpinguinen, Albatrossen und Loeffelreiher. Eine traumhaft schoene Landschaft und eine unserer schoensten B&Bs.
Die letzte Nacht haben wir dann wieder in Christchurch verbracht. Unser letzter Ausflug fuehrte uns ueber eine wunderschoene Passstrasse auf eine Art Halbinsel bis zu einer kleinen Stadt am Meer – Akaroa. Von dort sind wir dann direkt zum Flughafen gefahren.




