Am letzten Wochenende sind wir nach Coffs Harbour (ca 600km oder 6 Std Fahrzeit nördlich von Sydney) geflogen. Dort war eine Airshow anläßlich des 80ten Geburtstages des Flughafens und da meine Flugschule dort gerade eine Aussenstelle eröffnet wollte Darren dorthin um ein wenig Marketing zu machen. Die Pitts Special war am Freitag schon von Tim und seiner Freundin vorgeflogen worden und wir sind am Samstag kurz nach Sonnenaufgang (da der Flugplatz dort um 10 Uhr gesperrt wurde) mit einer Cessna 182 (VH-BMJ) los nachdem wir die Nacht vorher im Camden Motel übernachtet haben.
Der Flug ging über das Militärgebiet vom Richmond Airport (war deaktiviert, ich brauchte aber trotzdem eine Freigabe vom Tower in Sydney) nach Cessnock im Hunter Valley, weiter nach Taree, Port Macquarie bis nach Coffs Harbour. Insgesamt ca 2 Std Flug bei herrlichstem Wetter, toller Sicht und netten Passagieren 
Neben Madlen war auch noch Adam hingeflogen, welcher mit uns zurück fliegen wollte. Wir haben uns gleich super verstanden und sind am Sonntag nach unser Rückkehr gleich mit ihm und seiner Freundin noch Essen gewesen. Er wohnt gleich um die Ecke in Milsons Point.
Dort in Coffs Harbour haben wir uns diverse alte und skurille Flugzeuge angesehen, welche zum Teil am Boden waren, zum Teil auch geflogen sind. Der Tag war mit 30 Grad, blauem Himmel und Sonne perfekt für so eine Show. Der Abschluss wurde von einer Kunstflugstaffel gebildet, welche ganz schön waghalsige Manöver geflogen sind.
Am späten Nachmittag ging es nochmal zum Strand, in den Yachtclub zum Bierchen mit Meerblick und danach in das obligatorische Hotel mit allen zum Dinner bevor wir nach der kurzen Nacht zuvor und dem anstrengenden Tag recht früh alle ins Bett gegangen sind
Der Rückflug war dann von der Wettervorhersage nicht so toll wie der Hinflug, da starker Wind und ein Wetterumschwung vorhergesagt war. Nach einem Frühstück auf der Terrasse von Michael (dem dortigen Fluglehrer) sind wir los, erstmal nach Port Macquarie zum Tanken, danach weiter entlang der Küste in Richtung Sydney. Zunächst noch in ca 300m Höhe geflogen haben wir noch eine Wal-Mutter mit ihrem Baby gesehen, welche wir zweimal umkreist haben bevor sie abgetaucht sind.
Nachdem der West-Wind dann zunahm wurde es merklich ruckeliger beim Fliegen und ich entschied auf 4500ft (ca 1500m) hoch zu gehen wo es ein wenig ruhiger war, da dort die Verwirbelungen von den “Bergen” nicht so heftig sind. Die Sicht wurde auch merklich schlechter und zum Teil hatten wir 70-80 km/h Gegenwind was dazu beitrug, daß wir fast 3 Std für den Rückweg brauchten. Über Sydney ging es dann wieder runter auf 2500ft (darüber fliegen die Jets in und aus Sydney) bis nach Camden und mit dem Auto zurück.
Es war ein tolles Wochenende und eine klasse Erfahrung von einem “Langstreckenflug” bevor ich im Oktober nochmal auf Airsafari gehe mit Björn und ca 15 anderen Leuten. Da werden die Strecken dann nochmal ein wenig länger werden, aber hoffentlich das Wetter nicht
Heute war wieder der Sydney Marathon in der Stadt und damit für uns der 9km Bridge-Run angesagt, der bei uns vor der Haustür am Milsons Point beginnt und über die Brücke (für den Verkehr gesperrt) durch den botanischen Garten zum Ziel
an der Oper geht. Zum Glück war es heute nicht so heiss wie gestern – nur 24 Grad anstatt der 31 Grad gestern bei dem wir lieber mit Knud und Björn am Strand waren und danach bei Jörn und Inga ein tolles BBQ auf dem Balkon habt haben. Frühling ist schon toll !!!
Wie schon letztes Jahr haben wir uns natürlich dafür angemeldet und zu unserer Freunde sind Inga & Jörn auch mitgelaufen. Die beiden haben bei uns gestern Nacht geschlafen und wir sind zusammen dort morgen angetreten. Sie konnten sich nicht mehr über die Late Registration anmelden und so ist Inga mit meinem Zeit-Chip gelaufen, da ich eh durch meine Erkältung leider nicht fit genug war um die ganzen 9km zu laufen.
Der Bridge-Run hat den spätesten Start um 8:30 Uhr nach dem Marathon, Halbmarathon und 5km Family-Run. Und so
standen wir dann mit ein paar zehntausend Menschen dort am Start und los ging’s. Erstmal bergauf auf die Brücke – den höchsten Punkt der 9km Strecke. Danach über den Cahill Expressway zum botanischen Garten wo ich dann aus der Puste war und die Abkürzung zur Oper genommen und auf die anderen drei dort gewartet habe. Die haben die restliche Strecke in einer echt guten Zeit. Inga ist mit Jörn eine Zeit von 00:51:54 gelaufen und damit nur ein ganz wenig langsamer gelaufen als Madlen mit 00:50:35 – Respekt kann ich nur sagen !!!
Letztes Jahr haben wir untrainiert noch 10 Min länger gebraucht….mal sehen was im nächsten Jahr an Endzeit so herauskommt.
Kaputt am Ziel gab es viel Wasser und erstmal ein wenig Erholung für die fleissigen Läufer bevor wir dann nach einer Duschpause zum Milsons Point gegangen sind und dort bei einem spanischen Restaurant das wohlverdiente, späte Frühstück genossen haben um den nachmittag dann zu entspannen und den Frühlingstag zu genießen

….oder wie Bjoern meinte: “es hat nur einmal geregnet, dafuer aber nicht aufgehoert”.
Das war allerdings schon vor einer Woche (6.Sept). Ich bin mal wieder zu spaet dran mit dem Schreiben. Ich hatte im Rahmen der Biennale in Sydney vier Tickets fuer die “Mystery Tour” schon vor 2 Monaten gebucht. Biennale? Ja die kommt direkt zu uns. Ich war sehr erfreut, dass ich mir den Weg nach Venedig sparen konnte. Sehr viel haben wir uns allerdings nicht angeguckt. Ist ja typisch, wenn das Angebot direkt vor der Haustuer liegt.
Aber auf diese Mystery Tour hatte ich mich sehr gefreut, zumal es mit einer Schiffsfahrt nach Cockatoo Island verbunden war. Im Angesicht des Sauwetters stiegen die vormals so interssierten Mitstreiter nach einander aus (Joern, Inga und dann Sven). Fuer Joern wollte Bjoern einsteigen, der sich zu meiner Freude durch den Regen nicht abschrecken liess. Es war allerdings idiotisch bei dem Regen die Bruecke zu Fuss zu ueberqueren und dann noch ohne Regenschirm. Ich war also schon durchnaesst als wir auf Cockatoo Island ankamen. Dort waermet uns leckerer Kaffee und Sandwich/Friand auf. Wir mussten naemlich noch die naechste Faehre abwarten.
Wie sich spaeter herausstellte, war der Kuenstler, der fuer diese Mystery Tour vorgesehen war, nicht angekommen. Eine Organisatorin notierte schliesslich unsere Handynummern, um uns zu informieren, wenn es denn losginge. Dieser Anruf kam leider nie und ich werde wohl nie erfahren, was genau ich nun verpasst habe.
Also machten wir uns selbst auf den Weg. Je laenger wir unterwegs waren, desto begeisterter wurden wir. Die Insel ist voll alter Industriearchitektur, die sich hervorragend als Ausstellungsflaeche eignete. Die truebe Regenstimmung verstaerkte den tatsaechlich mystischen Eindruck noch.
Vor allem dort, wo der Regen an geplatzten Regenrinnen oder kaputten Hauswaenden herunterplatterte. Die Kunstwerke selbst waren teilweise auch sehr beeindruckend. Besonders nett war die Begegnung mit einem kleinen Kauz, der in einem der Stollengaenge hockte.
Hoch zufrieden aber bis auf die Haut durchnaesst furen wir am Nachmittag wieder nach Hause.
Letztes Wochenende haben wir uns zusammen mit Inga & Jörn mal wieder ein schönes, langes Wochenende in Melbourne gegönnt. Es ist schön dort ab und an mal die mehr europäische Stimmung, die teilweise alternativen Stadtteile, das gute Essen, die Designer-Kleidung und die kulturellen und künsterlischen Dinge zu erleben, welche in Sydney doch in eher gedämpften Maße zu finden sind.
Übernachtet haben wir wieder in unserem Lieblings-Bed-and-Breakfast (B&B, einem kleinen Haus einer Französin und ihrem irischen Mann in Port Melbourne, welche wunderbares Frühstück haben mit Croissants und vielen frischen Früchten. Die Zimmer sind extrem schön eingerichtet und die Besitzer haben uns fuer das Fruehstueck am Sonntag in Ihre Kueche gesetzt – insgesammt ist das Haus sehr gemuetlich und verleiht einem nicht das Gefuehl einer Pension sondern eher eines offenen Privathauses.
Freitag früh sind Madlen und ich bereits nach Melbourne geflogen. Madlen ist ins SAP Büro dort vor Ort und ich habe den schönen, sonnigen Tag mit Herumschlendern durch die Stadt und ihre vielen kleinen Kaffee-Gassen genossen. Manche Gassen erinnern mich dabei an italienische Städte, eng und links und rechts voll mit Tischen und Leuten. Abends sind wir dann alle nach Fitzroy um im Panama Dining Room auf Jörn zu warten und dort dann lecker Abendessen zu genießen.
Samstag gab es erst einmal herrliches Frühstück auf das wir uns schon alle gefreut hatten bevor wir nach Prahran gefahren sind um dort durch die Einkaufsstrassen mit den alten Häusern zu schlendern und später auf dem Market leckeren Käse (wenn wir doch nur sowas leckeres auch mal in Sydney finden würden), Rotwein, Oliven und Baguette zu kaufen und uns dann im Albert Park an den See zu setzen um das Gekaufte zu genießen bis die Sonne unterging.
Zurück im B&B erwartete uns dann leider eine böse Überraschung. Es ist eingebrochen worden und Madlens Firmenlaptop, ihr Portmonaie und Uhr gestohlen worden. Weiterhin auch die Handtasche mit Geldbörse unserer Gastgeberin, welche den ganzen Tag im Haus war. Die Diebe müssen echt gewartet haben bis sie einmal auf der Toilette war und in dem Moment schnell ausgeräumt haben.
Zum Glück kam eine Nachbarin kurz nachdem wir angekommen waren mit vielen Karten und den Geldbörsen zum Haus, welche sie um die Ecke gefunden hatte. Auch die Schlüssel waren zum Glück alle noch da. Bilanz der Diebe war also Bargeld, Laptop, Handy, Kreditkarten (welche schnell gesperrt worden sind) und die Armbanduhr.
Wir hatten für den Abend Karten zum Semi-Final vom AFL (Australian Football League) Spiel Collinwood
gegen St Kilda und sind dann nach einiger Aufregung doch noch ins Taxi um ins MCG Stadion zu fahren. Das Station ist mit einer Kapazität von 100.000 Menschen riesig und neben AFL wird dort auch Cricket gespielt. An dem Abend waren immerhin fast 77.000 Menschen dort.
Wir kennen die Regeln vom AFL Football noch genauso wenig wie die vom Rugby League oder Rubgy Union (alle drei Arten von Rugby werden hier gespielt und vergöttert), ganz zu schweigen vom Cricket. Aber trotzdem haben wir ein wenig die Regeln mitbekommen und waren endlich mal im MCG live bei einem sehr beliebten Spiel.
Collinwood ist eher der Arbeiter-Verein, welcher aber wohl extrem viele verrückte Fans hat während St Kilda eher der “Underdog” ist. Aber St Kilda war in diesem Spiel eindeutig nach dem zweiten Viertel die überlegene Mannschaft und hat verdient gewonnen.
Interessant ist, daß hier die Fans gemeinsam und nebeneinander sitzen, es also keine Blockbildung gibt wie bspw beim deutschen Fussball. Also schreit einmal links einer für St Kilda während in der nächsten Minute sich einer über das Tor von Collinwood freut.
Allerdings fehlte uns ein wenig die elektrisierende Stimmung vom Fussball wo Massen von Menschen ja Hymnen und Lieder singen. Der Gänsehaut-Effekt blieb total aus und so sah es für uns aus als ob eine Horde wilder Spieler ohne Systematik hinter einem einförmigen Ball hinterher läuft und jeder Fan die Namen kennt und irgendwas schreit wenn sein Lieblingsspieler gerade mal den Ball hat. Andere Länder, andere Sportarten…aber ob ich damit warm werde mag ich bezweifeln. Vielleicht doch nochmal ein 4 Tage lang dauerndes Cricket Spiel ausprobieren?
Sonntag sind wir dann nach einem langen und riesigem Frühstück mit Besuch von Freunden nochmal mit der Tram nach Fitzroy gefahren um uns durch die Gertrud und Brunswick Street mit ihren vielen alternativen Läden treiben zu lassen. Die Läden dort haben viele schöne Sachen von lokalen Künstlern und Designern und die Stimmung in den Strassen ist alternativ und ausgelassen – ein wenig wie in Hamburg-Altona. Nachdem wir uns die Füsse platt gelaufen haben sind wir in die Little Creatures Dining Hall eingekehrt und haben ein spätes Lunch genossen bevor Inga & Jörn in Theater verschwunden sind und wir uns zum Flughafen aufmachten um schon Sonntag abend nach Sydney zurück zu fliegen.
Hier angekommen hat uns der Frühsommer empfangen. Nachdem es Samstag hier schon 30°C war ging das Thermometer heute nochmal auf 28°C hoch – allerding auch mit heftigem Wind mit bis zu 70 km/h Böen.
Melbourne ist immer wieder eine willkommene Abwechslung und doch total anders als Sydney. Es gibt dort nicht so schöne Strände und das Wetter ist eben oft ein wenig kälter (im Sommer aber auch gern mal extrem heisser) und wechselhafter, aber dafür hat es mehr Flair im Stadtleben. Kultur, Kunst, Kaffee und gutes Essen mit mehr europäischen Einfluß ist dort zu finden und lassen sich viele Genüsse, welche wir hier in Sydney vermissen in einer Stunde Flugzeit doch erreichten
Im Moment mache ich ja neben der Arbeit weiterhin meine Flugausbildung zum Commercial Pilot. Dazu gehört auch ein Night VFR Rating mit entsprechenden Übungsflügen bei Nacht.
Es nervt zwar schon sehr nach der Arbeit im vollen Feierabend Verkehr nach Camden zu fahren und dann irgendwann spät abends wieder zurück, aber der Flug letzte Woche Mittwoch über den Hafen von Sydney bei Nacht hat die ganze Fahrerei schon vergessen lassen.
Ich bin so um 16:30 Uhr aus Sydney losgefahren um dann gegen 18 Uhr auf dem Flugplatz zu sein (eine 1,5 Std Autofahrt sehe ich schon bald als normal an wie alle Aussies eben auch). Dort dann den Flieger noch gecheckt und los ging es erstmal zum Bankstown Airport wo wir Madlen und Jörn eingesammelt haben. Dort war es extrem voll und wir brauchten eine Weile bis wir landen durften und beim Start mussten wir auch eine ganze Weile an der Startbahn warten – wie bei den grossen Airlinern eben auch manchmal.
Dann ging es zunächst nach Cessnock im Hunter Valley um dort nach Pinkelpause und Abendessen in Form eines Sandwiches weiter entlang der Küste in den Hafen von Sydney. Dort haben wir eine Menge Kreise über der Brücke gedreht und erfolgreich nach einer Freigabe gebeten, welche uns erlaubte dann über die Brücke nach Westen bis nach Paramatta zu fliegen. Das ist tagsüber aufgrund der grossen Airliner, welche auf dem Flughafen Sydneys landen nicht zu bekommen.
Zurück mit einem Touch-and-Go in Hoxton Park (ein weiterer kleiner Flughafen im Westen Sydney, welcher am Jahresende geschlossen wird) wieder nach Camden hatten wir einen wunderschönen drei stündigen Nachtflug mit perfekter Sicht und ruhiger Luft.
Wie die Zeit vergeht….nun sind wir schon seid über einem Jahr in Sydney. Zeit für einen Rückblick auf die Zeit, die Erlebnisse und Eindrücke.
Am 20. August 2007 sind wir hier angekommen und mußten uns ja erstmal komplett neu orientieren. Sehr geholfen dabei hat die tolle Unterstützung von SAP und der Relocation-Agentur, welche uns mit Rat und Tat bei der Wohnungssuche und den ersten notwendigen Dingen wie Autokauf, Telefonanschluß, Bankkonto, etc geholfen hat. Nach den ersten vier Wochen in einem Serviced-Appartment haben wir dann unsere Wohnung in der Fitzroy Street bezogen, wo wir uns auch heute noch wohlfühlen.
Die ersten Wochen haben wir viel damit verbracht uns hier das Leben wieder einzurichten und diverse Dinge zu organisieren. Dabei ist uns aufgefallen, daß in Down Under extrem viele Regularien existieren. Gerade was Behörden angeht war es oft Nervensache zum Ziel zukommen. Beispielsweise der Führerschein:
Es gibt nur eine offiziell anerkannte Übersetzungstelle bei der man seinen deutschen Führerschein übersetzten lassen muß. Diese Stelle ist natürlich hoffenungslos überlastet und natürlich auch überteuert. Dazu übersetzen sie wirklich nur Wort für Wort und so steht also da: Field 13 contains “12.08.1991″. Madlen und ich haben beide unseren Motorrad-Führerschein nach dem Autoführerschein gemacht und deshalb ist in einem Feld nur ein Sternchen, welches auf einen Aufkleber verweist, der das Datum enthält an dem dieser Motorrad-Führerschein gemacht worden ist. Das konnte die
Behörde natürlich nicht anerkennen bzw. interpretieren und so landete ich damit bei der deutschen Botschaft, um eine Interpretation zu bekommen aus der klar hervorgeht, daß wir beide einen Motorrad-Führerschein haben. Auch das kostete natürlich nochmal Gebühren (ganz abgesehen von der Fahrerei und den Nerven). Aber auch diese Hürde haben wir bezwungen und mit jeder Hürde dieser Art bekommen wohl auch wir bessere Nerven, Geduld und lernen mit diesen Dingen umzugehen
Es gab einige Dinge, welche einem das Leben und den Umgang mit den hiesigen Behörden und Unternehmen manchmal schwer machten. Bei Strom und Telefon ist es manchmal nicht einfacher – gerade noch wenn der Stromanbieter nur die Strom-Leitungen von einer anderen Firma nutzt, werden die Nerven beim Stromausfall gerne schnell dünner wenn man von einer Firma an die andere verwiesen wird und zurück. Jeder folgt natürlich auch hier nur seinen Anweisungen und Regeln…
Andererseits sind die Australier mit Ihrer “no-worries” Mentalität auch irgendwie immer freundlich und
hilfsbereit. Auf den Strassen hilft einem jeder wenn man sich mal verlaufen hat, in den Cafes und Restaurants wird Platz gemacht und auch gern von Tisch zu Tisch geschnackt, man kommt beim Surfen, Schwimmen und sonst auch immer irgendwie ins Gespräch.
Diese Kontakte sind sehr nett, jedoch entwickeln sich hieraus nur sehr selten echte wiederkommende Freundschaften oder Kontakte. Wir haben in dem letzten Jahr kaum australische Freunde gewinnen können, dafür aber ein paar sehr, sehr gute deutsche Freunde. Und Sydney ist eben doch recht voll mit Deutschen, die hier leben. Es ist schön mit diesen Freunden dann die Erlebnisse zu teilen, die schwierigen Zeiten gemeinsam zudurchstehen und die Wochenenden mit schönen Dingen zu gestalten. Wie verbindend dabei die selbe Sprache und ein gleicher kultureller Hintergrund sein kann, erleben wir hier auf eindrucksvolle Weise. Irgendwie wirft es ein neues Licht auf “die Auslaender”, die viel Zeit mit ihresgleichen verbringen. Das koennen wir inzwischen viel besser nachvollziehen. Tja wir wollen uns zwar moeglichst integrieren, aber wenn das bedeutet “Footie”, Rugby und Cricket zu verstehen, sich zu tätowieren, beigen Teppich in der Wohnung zu bevorzugen und regelmaessig viel Bier zu trinken, dann überlegen wir uns das doch lieber mit der Integration.
Nein diese Schilderung wird den Australiern nicht gerecht. Es gibt eben nicht den Australier wie es auch nicht den Deutschen gibt. Die grösste integrative Herausforderung ist wohl den australischen Humor zu verstehen! Davon haben sie nämlich eine ganze Menge. Leider mache ich (Madlen) allzuoft ein fragendes Gesicht, wenn meine Kollegen eine witzige Andeutung über ein aktuelles Ereignis machen. Wenn dann noch die berühmten australischen Akürzungen ins Spiel kommen habe ich keine Chance und bis bei mir die Groschen gefallen sind, ist der Moment vorbei und ich fühle mich wirklich wie eine Ausländerin.
Das Wetter ist ein wichtiger Faktor hier und wir genießen es sehr, daß überwiegend trockenes, sonniges Wetter uns an den Wochenenden erlaubt an den Strand zu fahren, zu baden, surfen, Volleyball zu spielen, zu Grillen und die Natur um Sydney zu erkunden. Das Leben findet hier viel mehr draussen statt als in den
Wohnungen. Dabei muß man natürlich immer aufpassen, daß einem nicht der Kopf verbrennt, da die Sonne schon ganz schön brennt. Also T-Shirt, Sonnencreme und Hut sind ein Muß (Slim, Slap, Slop – wie die Aussies hier so sagen).
Selbst jetzt im Winter brennt die Sonne am Tag schon oft sehr heftig. Dafür wird es in den Nächten umso kälter (bis zu 0 Grad). Und wenn man nun noch die etwas provisorische Bauweise der Wohungen dazu nimmt, welche natürlich alle keine Heizungen haben, von Doppelverglasung oder Isolierung ganz zu schweigen kann man sich vielleicht vorstellen, daß wir oft abends auf dem Sofa sitzend Tee trinken und uns mit einer Decke und der gekauften elektrischen Heizung ein Zimmer warm halten. Tja…die Hitze im Sommer ist recht gut auszuhalten, die Kälte im Winter ist da eher ein Problem – wer hätte das von Australien gedacht
Apropos Wohungen. Der Immobilienmarkt besteht überwiegend aus Eigentum. Australier kaufen Häuser oder Wohnungen lieber und verkaufen diese auch öfter wieder (je nach Geld und Familien-Situation). Da sind wir als Mieter schon eher die Ausnahme. Mietwohnungen sind also eh schon rar, dazu sind die meisten in einem eher miesen Zustand und viel zu teuer. Wir hatten echt Glück mit unserer Wohnung – das wird uns jetzt mal wieder klar wo wir angefangen haben uns mal wieder ein wenig umzusehen (da wir eigentlich vor hatten doch mal nach Manly an den Strand zu ziehen). Mit unserer Miete von nun 550 AUD pro WOCHE (nach einer Mieterhöhung von 50 AUD die Woche) sind wir nach wie vor mit einer super Wohnung beschenkt. Und die werden wir auch erst verlassen, wenn wir etwas wirklich besseres finden.
Eine weitere Sache ist der Sport. Die Australier sind Sport-Fanatiker. Jeder macht Sport, in der Mittagspause joggen gehen (bei der Hitze), Fitness Studio (auch Madlen springt hier schon wieder in Kursen herum), Rugby
haben alle Männer wenigstens in der Schule gespielt, Surfen, Schwimmen, Beach-Volleyball oder irgendwas anderes. Dazu schauen sie natürlich auch Sport-Events, haben ihren Lieblings-Rugbyclub, stehen auch auf Pferde- und Hunderennen und wissen beispielsweise immer genau wie es bei Olympia so steht, wer wieviele Medalien hat, etc. In den Pubs laufen immer Fernseher mit den aktuellen Sport-Events und natürlich wird auch viel gewettet.
Achja….Pubs und Wetten. Die Australier sind ziemlich spielsüchtig wenn man Berichten und Statistiken glaubt. Nicht nur, daß man in oder neben fast jedem Pub auf Sportevents wetten kann. Auch in den Ortsteil-Clubs (wir sind auch Mitglieder im Kirribilli-Club) stehen im hinteren Raum jede Menge Geld-Spielgeräte und werden besondere Wettabende veranstaltet. Wahrscheinlich existieren die Clubs nur, um den Spielsüchtigen ihr Suchtmittel bereit zu halten.
Pubs…ja, das ist wohl etwas was hier durch den noch stark zu spürenden englischen Einfluß entstanden ist. Die Australier lieben ihre Pubs, die laute Atmosphäre, die bis zum Rand eingeschenkten Biergläser, den Teppich(!), der doch mit Bier jeden Abend nur so durchwaschen werden muß, die Fernseher mit den
Sportevents und das Friday-Evening Beer. Nach der Arbeit geht es dann (gerade für die jüngeren Kollegen ohne Familie) in den Pub und es wird gesoffen. Jawohl – gesoffen. Denn es bleibt nicht bei 1-3 Bieren, sondern geht meist bis in die Nacht und mit soviel Bier bis man kaum noch stehen geschweige reden kann. Das ist natürlich nicht auf die Männer beschränkt, sondern auch Frauen, welche hier gern hohe Schuhe und kurze Rücke tragen (muß auch aus England hier eingeführt worden sein) torkeln und stützen sich gegenseitig auf dem Weg nach Hause. Zum Ansehen ist das manchmal ganz lustig, aber insgesamt ist die extrem laute Atmosphäre und der Extremkonsum von Alkohol eher noch gewöhnungsbedürftig für uns. (Kommentar Madlen: Gegen die entblössten Frauenbeine hat Sven eigentlich nichts einzuwenden…)
Neben dem Leben hier in Sydney haben wir im letzten Jahr auch extrem viele Reisen unternommen. Neben mehrmaligen Besuchen in Melbourne (mit Jörn und Inga), Adelaide und Byron Bay war ich ja auf meiner Air-Safari (sogar mit Bericht im Magazin hier) bei der ich schon recht viel von Australien gesehen habe. Das Land ist wirklich riesig und die verschiedenen Arten von Klimazonen und Natur, den Tieren und Pflanzen, dem Meer, Strand und der Steilküste sind schon sehr beeindruckend. Dazu kamen ja noch unsere Reisen nach Japan, Singapur, Vanuatu und Tonga. Bei unserem ersten Sylvester in Sydney haben wir uns natürlich das Feuerwerk angesehen und mit Freunden gefeiert.
Besuch gab es im letzten Jahr dann doch eine Menge – von Madlens Mutter, Uta, Burghardt, Susanne, Katharina, Nathalie und Stephane und aktuell gerade von Björn und Knud von CoreMedia.
Und wir waren zu Besuch in Hamburg und München, unserer alten Heimat zu Hause. Heimat wird es noch länger sein und bleiben, denn wo man mehr als 30 Jahre gelebt hat wird man seine Wurzeln sicher behalten.
Und das ist auch gut so, denn Europa ist extrem lebenswert und liebenswert mit der Vielfalt auf kleinem Raum, den verschiedenen Kulturen, der Historie und den Traditionen und der Ästhetik. Dieses wird einem nochmals sehr bewußt wenn man im Ausland lebt – Europa ist ein grossartiger Kontinent zum Leben.
Auch ist es interessant, daß man hier erst richtig wahrnimmt was ein “altes” Land alles so für Vorzüge hat. Die Traditionen, Werte und Geschichte von Europa und Deutschland hat viele Vorzüge und Dinge, welche wir in unserem langen Leben dort für selbstverständlich gehalten haben. Wenn man in einem so jungen Land wie Australien ist wird einem erst richtig bewußt was sowas bedeutet. Hier gibt es keine jahrhunderte alte Traditionen oder Werte und damit kommt einem vieles nicht so richtig “echt” vor.
Nach einem Jahr in Australien vermissen wir schon sehr die deutsche Kultur, deutsches Essen (Aldi bringt ein wenig was davon hierher, auch Schwarzbrot beim deutschen Bäcker genießen wir sehr), europäische Vielfalt, kurze Distanzen zum Reisen, deutsche Verlässlichkeit, durchdachte Konzepte und Planungen, und -nicht lachen- deutsche Wertarbeit. Das wissen wir jetzt erst richtig zu schätzen.
Dafür haben wir jedoch die grossartige Natur, das Meer mit seinen schönen Stränden, Wale vor der Küste, Wetter, daß es eigentlich immer ermöglicht draussen zu sein, tolle neue Freunde, weniger Neidkultur, asiatische Vielfalt und Einfluß (ich wußte nie, daß ich thailändisches Essen so mag), easy-going Mentalität, Surfen und glasklares Wasser zum Tauchen und Schnocheln, einen Flugschein und weitere Ausbildung zum Herumfliegen in Australien und vor allem:
TOLLE ERLEBNISSE UND EINDRÜCKE
Neben den schönen Dingen und Erlebnissen gab es auch Tiefen die wir gemeinsam durchstanden haben und weiterhin durchstehen werden. Die Schwierigkeit sich ein neues soziales Umfeld zu schaffen, die andere Art des Feierns, die schwierige Jobsuche über die Personal-Agenturen, das Fehlen von Gewohntem und Vertrautem – alles Dinge, welche einen manchmal auch fluchen und traurig machten. Und so haben wir sicher schon das ein oder andere Mal darüber nachgedacht ob wir wieder zurück gehen sollten. Keiner von uns hat erwartet, daß es einfach wird. Aber machmal war es schon echt hart und Heimweh war dann doch noch stärker vorhanden, wenn das Leben hier gerade nicht so schön war.
Aber insgesamt bereuen wir den Schritt nicht. Wir haben viel dazu gelernt, Dinge erlebt, welche wir so von Hamburg aus nicht erlebt hätten und gemerkt wie man als Ausländer sich so fühlt.
Mal sehen was das nächste Jahr so bringen wird. Wir werden weiterhin hier berichten…
